Das Wichtigste in Kürze
- Der Nutri-Score ist in der Schweiz freiwillig – das BLV empfiehlt ihn, schreibt ihn aber nicht vor.
- Berechnung per Punktesystem aus ungünstigen und günstigen Komponenten, Skala A bis E.
- Markenregistrierung verpflichtet vertraglich: innert zwei Jahren auf allen Produkten der Marke.
- Nutri-Score als Zusatz zur Nährwertberechnung: CHF 30 pro Rezeptur.
Freiwillig, aber empfohlen: der Status in der Schweiz
Kaum ein Label sorgt in meinen Beratungsgesprächen für so viel Verwirrung wie der Nutri-Score. Viele Produzentinnen und Produzenten gehen davon aus, die farbige Skala von A bis E sei längst Pflicht – schliesslich sieht man sie immer häufiger. Die Rechtslage ist jedoch eindeutig: Der Nutri-Score ist in der Schweiz eine freiwillige Zusatzkennzeichnung.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfiehlt seine Verwendung, schreibt sie aber nicht vor. Es gibt kein Gesetz, das Sie zum Aufdruck verpflichtet – weder für einzelne Produkte noch für Ihr Sortiment.
Auch im Schweizer Detailhandel hat sich das Label bisher nicht flächendeckend durchgesetzt. Einzelne Hersteller und Händler setzen es ein, andere verzichten bewusst darauf. Für Sie heisst das: Sie haben die Wahl – und sollten sie strategisch nutzen.
So wird der Nutri-Score berechnet
Der Nutri-Score verdichtet das Nährwertprofil eines Lebensmittels zu einem einzigen Buchstaben. Grundlage ist ein Punktesystem, das pro 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter berechnet wird. Auf der einen Seite stehen die ungünstigen Komponenten:
- Energiegehalt (Kilojoule)
- Zucker
- Gesättigte Fettsäuren
- Salz
Auf der anderen Seite werden die günstigen Komponenten gutgeschrieben:
- Ballaststoffe
- Protein
- Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen
Aus der Verrechnung beider Seiten ergibt sich ein Endwert, der einer fünfstufigen Skala von A (günstigstes Profil, dunkelgrün) bis E (ungünstigstes Profil, rot) zugeordnet wird. Je tiefer der Punktwert, desto besser die Einstufung.
Praxistipp: Die Aussagekraft des Nutri-Scores steht und fällt mit der Qualität der Nährwertdaten. Lassen Sie zuerst die Nährwerte sauber berechnen – der Score ist danach nur noch ein kleiner Zusatzschritt.
Die Zweijahresregel: freiwillig heisst nicht unverbindlich
An dieser Stelle räume ich mit einem hartnäckigen Missverständnis auf. Immer wieder liest man, ein Schweizer Gesetz verlange, den Nutri-Score auf alle Produkte zu drucken, sobald man ihn einmal verwendet. Das stimmt nicht – eine solche gesetzliche Pflicht existiert nicht.
Richtig ist: Wer den Nutri-Score einsetzen will, registriert dafür seine Marke und akzeptiert damit das internationale Nutzungsreglement. Dieses verpflichtet Sie, den Score innert zwei Jahren auf allen Produkten dieser Marke einzusetzen. Es handelt sich also um eine Vertragsregel zwischen Ihnen und dem Inhaber des Labels – nicht um Schweizer Lebensmittelrecht.
Wichtig: In der Praxis wirkt die Vertragsregel wie eine Pflicht: Rosinenpicken – der Score nur auf den gut bewerteten Produkten einer Marke – ist nicht zulässig. Prüfen Sie deshalb vor der Registrierung das gesamte Sortiment der betroffenen Marke.
Aufdrucken oder nicht? Eine strategische Entscheidung
Ob sich der Nutri-Score für Sie lohnt, hängt vom Portfolio ab. Produkte wie Naturjoghurt, Vollkornbrot oder ungesüsster Tee erreichen typischerweise ein A oder B – hier wird der Score zum Marketinginstrument, das die Positionierung sichtbar unterstützt. Klassiker wie Ketchup, Milchschokolade oder Fruchtsäfte landen oft im Mittelfeld bei C, während Chips, gesüsste Getränke, Butter oder Speck meist mit D oder E bewertet werden.
Wegen der Zweijahresregel empfehle ich, den Entscheid nicht produktweise, sondern pro Marke zu fällen. Sinnvoll ist folgendes Vorgehen:
Nährwerte aller Produkte der Marke berechnen lassen (Big 7).
Den Nutri-Score für das gesamte Sortiment simulieren – vor der Registrierung, nicht danach.
Rezepturen mit knapper Bewertung prüfen: Oft hebt eine moderate Salz- oder Zuckerreduktion oder ein höherer Gemüseanteil ein Produkt um eine Stufe.
Erst dann pro Marke entscheiden, ob der Aufdruck strategisch sinnvoll ist.
Diesen Simulationsschritt sehe ich in der Praxis am häufigsten übersprungen. Ein Suppen- oder Saucenhersteller, der seine Marke registriert und erst danach merkt, dass die Hälfte des Sortiments bei D liegt, hat sich vertraglich in eine unbequeme Lage gebracht. Umgekehrt verschenkt ein Betrieb mit durchgehend guten Profilen ein Verkaufsargument, wenn er auf den Score verzichtet.
Mein Angebot: Nutri-Score als Zusatz zur Nährwertberechnung
Wenn Sie ohnehin eine Nährwertdeklaration erstellen lassen, ist der Nutri-Score ein überschaubarer Zusatzaufwand. Ich berechne ihn als Zusatzleistung zur Nährwertberechnung für CHF 30 pro Rezeptur – auf Basis derselben Daten, die auch in Ihre Big-7-Deklaration einfliessen.
So wissen Sie vor jedem Registrierungs- oder Reformulierungsentscheid, wo Ihre Produkte stehen. Gerade für kleinere Produktionsbetriebe ist das der pragmatische Weg: erst rechnen, dann entscheiden.
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Zur NährwertberechnungBerater für Lebensmittelsicherheit (Bachelor Food Science ZHAW). Ich unterstütze Gastronomie- und Produktionsbetriebe in der ganzen Deutschschweiz – vom Selbstkontrollkonzept bis zur Etikette. Kostenloses Erstgespräch anfragen