Deklaration

Nährwerte berechnen oder Labor: Was sich wirklich lohnt

Für die meisten handwerklichen Lebensmittel genügt die berechnete Nährwertdeklaration – sie ist bis zu 75 Prozent günstiger als die Laboranalyse. Ich zeige Ihnen, wann welcher Weg der richtige ist.

SR
Simon Rüttimann Bachelor Food Science ZHAW · 9. Mai 2026 · 4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Berechnung und Laboranalyse sind nach LIV Art. 21 beide zulässig.
  • Berechnung: ab CHF 150 in 2–5 Werktagen – bis zu 75% günstiger als das Labor.
  • Health Claims, Anreicherung und fermentierte Produkte gehören ins Labor.
  • Bei Rezepturänderungen ist die Berechnung rasch aktualisiert, das Labor braucht eine neue Probe.

Beide Wege sind rechtlich zulässig

«Muss ich meine Nährwerte im Labor analysieren lassen, oder reicht eine Berechnung?» Diese Frage höre ich in fast jedem Erstgespräch – von der Bäckerei mit neuen Sandwiches genauso wie vom Start-up mit einer eigenen Saucenlinie. Die kurze Antwort: Für die meisten handwerklichen Lebensmittel reicht die Berechnung.

Die rechtliche Grundlage ist eindeutig. Die Verordnung betreffend die Information über Lebensmittel (LIV) erlaubt in Artikel 21 ausdrücklich beide Wege: die Laboranalyse und die Berechnung «anhand der bekannten oder tatsächlichen durchschnittlichen Werte der verwendeten Zutaten». Die Berechnung ist also keine Hintertür, sondern vom Gesetzgeber explizit vorgesehen.

Der direkte Vergleich

In der Praxis unterscheiden sich die beiden Methoden vor allem bei Kosten, Tempo und Flexibilität. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

KriteriumBerechnungLaboranalyse
Kostenab CHF 150 pro RezepturCHF 400–800 pro Produkt
Dauer2–5 Werktage2–3 Wochen
Bei Rezepturänderungschnell neu berechnetneue Probe und Analyse nötig
Aufwand für SieRezeptur per Mail sendenProbe ziehen und einsenden

Und die Genauigkeit? Eine sauber erstellte Berechnung liegt innerhalb der Toleranzen, die für Nährwertdeklarationen akzeptiert werden. Das Labor liefert die höchste Präzision – für die Etikette eines Birchermüeslis oder einer Tomatensauce ist dieses Mass an Präzision aber schlicht nicht nötig.

Der Punkt Rezepturänderung wird oft unterschätzt. Wer den Zuckeranteil im Müesli anpasst oder den Rahm durch eine pflanzliche Alternative ersetzt, braucht bei der Laborvariante eine komplett neue Analyse. Eine Berechnung lässt sich dagegen rasch und kostengünstig aktualisieren.

So läuft eine Nährwertberechnung ab

Für die Berechnung braucht es keine Produktprobe, sondern nur Ihre vollständige Rezeptur. Grundlage sind anerkannte Nährwertdatenbanken sowie die Spezifikationen Ihrer Zutatenlieferanten. Der Ablauf ist bewusst schlank gehalten:

1

Sie senden mir Ihre Rezeptur mit allen Zutaten und exakten Mengen – selbstverständlich vertraulich.

2

Ich berechne die Nährwerte pro 100 g und berücksichtige dabei Verarbeitungsschritte wie Back- oder Kochverluste.

3

Sie erhalten innerhalb von 2–5 Werktagen deklarationsfertige Werte für Ihre Etikette.

Praxistipp: Halten Sie Ihre Rezepturen von Anfang an mit exakten Gewichtsangaben fest, nicht mit Volumenmassen wie «1 Tasse». Das beschleunigt jede Berechnung und macht spätere Anpassungen deutlich einfacher.

Wann das Labor die bessere Wahl ist

So klar mein Plädoyer für die Berechnung ist – es gibt Konstellationen, in denen ich meinen Kunden bewusst zur Laboranalyse rate. Hier stösst die Berechnung an ihre ehrlichen Grenzen:

  • Health Claims wie «proteinreich», «vitaminreich» oder «ballaststoffreich»: Wer mit solchen Angaben wirbt, muss die Werte belastbar belegen können.
  • Produkte mit Vitamin- oder Mineralstoff-Anreicherung, weil zugesetzte Nährstoffe bei Verarbeitung und Lagerung an Gehalt verlieren können.
  • Sehr komplexe Matrices wie fermentierte Produkte, bei denen Mikroorganismen die Zusammensetzung laufend verändern.
  • Spezielle Exportauflagen, etwa wenn EU-Abnehmer Analysenzertifikate verlangen.

Wichtig: Bei fermentierten Produkten wie Sauerkraut, Kombucha oder gereiftem Käse verändert sich die Zusammensetzung während der Fermentation. Eine reine Zutatenberechnung bildet das nicht zuverlässig ab.

Rechenbeispiel: fünf Produkte, ein Budget

Wie gross der Unterschied tatsächlich ist, zeigt ein typisches Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Ein Produzent möchte fünf Produkte deklarieren. Die Berechnung kostet 5 × CHF 150, also CHF 750. Die Laboranalyse schlägt mit durchschnittlich CHF 600 pro Produkt zu Buche – gesamthaft CHF 3'000.

Die Ersparnis beträgt CHF 2'250 oder 75 Prozent. Dazu kommt der Zeitgewinn: Statt zwei bis drei Wochen pro Analyse liegen die berechneten Werte innerhalb weniger Werktage vor. Das ist ein relevanter Faktor, wenn der Etikettendruck ansteht oder ein Listungstermin im Detailhandel drängt.

Mein Fazit

Für Standard-Lebensmittel ohne Health Claims und ohne Anreicherung ist die Berechnung nach LIV Art. 21 die pragmatische und rechtskonforme Wahl. Das Labor bleibt das richtige Werkzeug für die genannten Spezialfälle – dort dann aber ohne Wenn und Aber.

Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg für Ihr Sortiment passt, schauen wir das gemeinsam an. Eine Nährwertberechnung erstelle ich ab CHF 150 pro Rezeptur – inklusive deklarationsfertiger Werte für Ihre Etikette.

Lieber gleich professionell gelöst?

Big-7-Berechnung für CHF 150 pro Rezeptur – unverbindlich anfragen, Sie erhalten innert 24 Stunden Antwort.

Zur Nährwertberechnung
SR
Simon Rüttimann

Berater für Lebensmittelsicherheit (Bachelor Food Science ZHAW). Ich unterstütze Gastronomie- und Produktionsbetriebe in der ganzen Deutschschweiz – vom Selbstkontrollkonzept bis zur Etikette. Kostenloses Erstgespräch anfragen